Kupfernetze
Basiswissen zu Kupfernetzen
Strukturierte Verkabelung
Die Forderung nach herstellerunabhängigen, dienstneutralen Verkabelungen führte zur internationalen Norm ISO/ IEC 11801, auf der die deutschsprachige DIN EN 50173 basiert. Sie beschreibt eine strukturierte Verkabelung, die unabhängig von der aktuellen Nutzung der zu verkabelnden Räume und unabhängig von irgendwelchen LAN-Technologien ausgeführt werden soll. In dieser Norm sind Anforderungen an die einzelnen Komponenten und an die komplette Übertragungsstrecke sowie entsprechende Prüfvorgaben enthalten.
Eine strukturierte Verkabelung gliedert sich in Primär-, Sekundär- und Tertiärverkabelung. Die Primärverkabelung verläuft zwischen den einzelnen Gebäuden desselben Standortes. Sie besteht mit Ausnahme von Telefonkabeln fast ausschließlich aus Glasfaserkabeln, die von jedem Gebäude zu einem zentralen Standortverteiler verlaufen. Als Sekundärverkabelung werden die Leitungen zwischen getrennten Datenverteilern innerhalb eines Gebäudes bezeichnet. Sie laufen von den einzelnen Verteilern sternförmig zu einem Gebäudeverteiler. In jeder Etage eines Bürogebäudes sollte nach Norm (DIN EN 50173-2:2018) mindestens ein so genannter Etagenverteiler installiert werden, es ist aber zulässig, mehrere spärlich besiedelte Etagen vom Verteiler der darüber oder darunter liegenden Etage zu erschließen.
Vom Etagenverteiler verlaufen die Datenleitungen zu den Anschlussdosen, was als Tertiärverkabelung bezeichnet wird. Hier werden hauptsächlich Kupferdatenleitungen (Twisted Pair) und Anschlussdosen/Verteilfelder mit RJ45-Buchsen eingesetzt. Glasfaserleitungen (LWL) bis zum Arbeitsplatz können je nach Bauvorhaben oder Netzgröße eine interessante Alternative darstellen. Das Telefonnetz wird meist ebenfalls über Datenleitungen realisiert, für Telefonanschlüsse ist lediglich eine andere Pinbelegung erforderlich; sind alle acht Adern einer Leitung in der RJ45-Buchse aufgelegt, kann sie wahlweise für Telefon oder EDV verwendet werden.
Eine Telefon- und EDV-Verteilung über dieselbe Netzwerk- Infrastruktur nennt man auch converged network (engl. to converge = zusammenlaufen).


DIN EN 50173
Die erste Fassung der DIN EN 50173 erschien bereits 1995. Sie wurde seitdem mehrfach überarbeitet und ergänzt, um mit den Anforderungen ständig steigender Datenraten Schritt zu halten.
Aktuell werden in Bürogebäuden Komponenten für 10 Gigabit Ethernet bis 500 MHz (Klasse EA / Kategorie 6A) in Netzwerken eingesetzt, in Rechenzentren für 40 Gigabit Ethernet bis 2.000 MHz (Klasse I / Kategorie 8.1)
Mittlerweile ist aus der DIN EN 50173 eine sechsteilige Normenserie geworden, deren einzelne Teile sich mit verschiedenen Anwendungsfällen befassen:
DIN EN 50173-1:2018 Allgemeine Anforderungen
DIN EN 50173-2:2018 Bürogebäude
DIN EN 50173-3:2018 Industriell genutzte Standorte
DIN EN 50173-4:2018 Wohnungen
DIN EN 50173-5:2018 Rechenzentren
DIN EN 50173-6:2018 Verteilte Gebäudedienste
ISO/IEC 11801
Die international gültige Normenserie für die anwendungsneutrale Verkabelung ist die ISO/IEC 11801. Sie entspricht weitgehend der DIN EN 50173 und besitzt seit November 2017 auch dieselbe Gliederung in sechs Teile:
ISO/IEC 11801-1:2017: General requirements
ISO/IEC 11801-2:2017: Office premises
ISO/IEC 11801-3:2017: Industrial premises
ISO/IEC 11801-4:2017: Single-tenant homes
ISO/IEC 11801-5:2017: Data centres
ISO/IEC 11801-6:2017: Distributed building services

TIA-568
In den USA gibt es neben der international gültigen ISO/ IEC 11801 noch die TIA-568 als wichtige Verkabelungs- norm. Sie liegt mittlerweile in ihrer fünften Fassung vor. Als TIA-568-D ersetzt sie alle vorangegangenen Ausgaben. Die Werte für die Verkabelungskomponenten und für Installations- und Übertragungsstrecke unterscheiden sich teilweise von den Werten der ISO/IEC 11801 und damit der DIN EN 50173.
Die TIA-568 gilt grundsätzlich nur in Nordamerika, es sei denn, sie ist in Projekten ausdrücklich festgelegt.
Die TIA-568-D gliedert sich in fünf Teile:
TIA-568.0-D: Generic Telecommunications Cabling for Customer Premises
TIA-568.1-D: Commercial Building Telecommunications Infrastructure Standard
TIA-568.2-D: Balanced Twisted-Pair Telecommunications
Cabling and Components Standard
TIA-568.3-D: Optical Fiber Cabling and Components
Standard
TIA-568.4-D: Broadband and Coaxial Cabling and Components Standard
Installationsstrecke (Permanent Link) und Übertragungsstrecke (Channel)
Die DIN EN 50173 unterscheidet bei der verkabelten Strecke
zwischen Installations- und Übertragungsstrecke.
Die Installationsstrecke (engl. permanent link) enthält die
fest verlegten bzw. fest angeschlossenen Komponenten,
sie besteht also typischerweise aus Verteilfeld, Verlegekabel
und Anschlussdose.
Die Übertragungsstrecke (engl. channel) ist die gesamte Verbindung zwischen zwei Geräten, beispielsweise einem PC und einem Switch im DV-Schrank, einschließlich al- ler Rangier- und Anschlusskabel (also Installationsstrecke zuzüglich Verbindungs- und Anschlusskabel).
Die Übertragungsstrecke wird meist nur bei der Fehlersuche gemessen um sicherzustellen, dass sämtliche Komponenten der Verkabelung fehlerfrei arbeiten. Nach der Installation der Verkabelung wird fast immer nur die Installationsstrecke gemessen. Der Grund dafür ist einfach: Würden bei der Ab- nahme Protokolle der Übertragungsstrecke gefordert, dann müssten die gemessenen Anschlusskabel in allen Dosen und Verteilfeldern eingesteckt bleiben.
Beispiel für Permanent Link und Channel
Beispiele für die Konfigurationen der Installationsstrecke nach DIN EN 50173-2:2018
Verkabelungsstrecken mit 2, 3 und 4 Steckverbindungen
Eine Verkabelungsstrecke darf nach Norm bis zu vier Steck- verbindungen enthalten. Die Steckverbindungen an den aktiven Komponenten und den Endgeräten werden dabei nicht berücksichtigt.
Installations- und Übertragungsstrecke enthalten im ein-
fachsten Fall zwei Steckverbindungen: eine am Verteilfeld,
eine an der Anschlussdose.
Als weitere Steckverbindung kann die Strecke einen
Sammelpunkt (engl. consolidation point) in der Nähe der
Anschlussdosen enthalten. Dies wird beispielsweise in Großraumbüros gerne so umgesetzt. Auch der Verteiler kann eine weitere Steckverbindung enthalten, wenn die aktive Komponente (beispielsweise ein Switch) auf ein eigenes Verteilfeld geführt wird; die Rangierungen erfolgen dann zwischen dem Verteilfeld der aktiven Komponente und dem Verteilfeld der Tertiärverkabelung statt direkt zwi- schen Switch und Tertiär-Verteilfeld. Dieses Vorgehen wird als „cross-connection“ bezeichnet.
Übertragungsstrecke mit vier Steckverbindungen
Verkabelungen mit Sammelpunkt (Consolidation Point)
Manchmal kann es sinnvoll sein, die Leitungen der Tertiär- verkabelung gebündelt zu einem gemeinsamen Punkt, dem so genannten Sammelpunkt (engl. consolidation point),
zu bringen und dort auf Dosen oder einen kleinen Zwischenverteiler aufzulegen. Von ihm werden Leitungen zu beweglichen oder fest montierten Dosen geführt, an die dann PCs oder andere Endgeräte angeschlossen werden. Sammelpunkte können beispielsweise kleine Zwischenver-
teiler in abgehängten Decken oder Doppelböden in Groß- raumbüros oder Industriehallen sein, bei denen Boden- platten oder Installationssäulen mit Anschlussdosen je nach wechselnder Nutzung flexibel angeordnet werden. Auch Bodentanks können als Sammelpunkte eingesetzt werden, wenn beispielsweise nicht Endgeräte, sondern Zuleitungen zu EDV-Möbeln, die wiederum Anschlussdosen enthalten, dort angeschlossen werden.
Beispiel für eine Verkabelung mit Consolidation Point
Klasse und Kategorie
DIN EN 50173-1 definiert verschiedene Leistungsklassen sowohl für die verkabelte Strecke, als auch für die einzel- nen Komponenten, aus denen sie besteht. Die Netzan- wendungsklasse (kurz Klasse) bezieht sich immer auf die installierte Verkabelungsstrecke, die Kategorie nur auf eine einzelne Komponente, beispielsweise das Kabel oder die Anschlussdose alleine, und wird vom Hersteller oder einem Prüflabor gemessen. Im Feld ist immer nach Klassen zu messen.
Verkabelungsklassen nach DIN EN 50173-1:
Klasse D: bis 100 MHz, geeignet für Datenraten bis 1 Gbit/s
Klasse E: bis 250 MHz, geeignet für Datenraten bis 1 Gbit/s
Klasse E A : bis 500 MHz, geeignet für Datenraten bis 10 Gbit/s
Klasse F: bis 600 MHz, für Multimedia-Anwendungen
Klasse F A : bis 1.000 MHz, für Multimedia-Anwendungen
Klasse I: bis 2.000 MHz, für Datenraten bis 40 Gbit/s
Klasse II: bis 2.000 MHz, für Datenraten bis 40 Gbit/s
Komponentenkategorien nach DIN EN 50173-1:
Kategorie 5: bis 100 MHz, geeignet für Datenraten bis 1 Gbit/s
Kategorie 6: bis 250 MHz, geeignet für Datenraten bis 1 Gbit/s
Kategorie 6 A : bis 500 MHz, geeignet für Datenraten bis 10 Gbit/s
Kategorie 7: bis 600 MHz, für Multimedia-Anwendungen
Kategorie 7 A : bis 1.000 MHz, für Multimedia-Anwendungen
Kategorie 8.1: bis 2.000 MHz, für Datenraten bis 40 Gbit/s
Kategorie 8.2: bis 2.000 MHz, für Datenraten bis 40 Gbit/s
Klasse I/II und Kategorie 8.1/8.2
Übertragungsstrecken der Klassen I und II sind für eine maximale Länge von 30 m spezifiziert. Dabei entfallen 24 m auf das Verlegekabel (Installationsstrecke) und jeweils 3 m für Patch-/Anschlusskabel an beiden Enden.
Kategorie 8.1 baut auf der Kategorie 6 A auf. Sie sieht den RJ45 nach IEC 60603-7-81 als Steckverbinder vor und ist rückwärtskompatibel zu den Kategorien 5, 6 und 6 A .
Kategorie 8.2 baut auf der Kategorie 7 A auf. Sie ist rückwärtskompatibel zu allen Kategorien inklusive 7 und 7 A , sieht jedoch einen nicht-RJ45-kompatiblen Stecker wie beispielsweise TERA nach IEC 61076-3-104, GG45 oder ARJ45 nach IEC 60603-7-82 vor.
Da IEEE die 40-Gigabit-Ethernet-Variante 40GBASE-T für einen RJ45-kompatiblen Stecker spezifiziert hat, sind Verkabelungen mit Komponenten der Kategorie 8.2 äußerst selten. Nach der Standardisierung von 40GBASE-T nahm das IEEE noch die Ethernet-Variante 25GBASE-T auf. Statt 40 Gbit/s bietet sie mit nur 25 Gbit/s etwas mehr als die halbe Datenrate. Sie verwendet Verkabelungskomponenten, die die Anforderungen der Kategorie 8.1 lediglich bis 1250 MHz erfüllen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Bei Komponenten der Kategorie 8.1 ist zu prüfen, ob sie die Vorgaben der DIN EN 50173-1:2018-10 über den vollen Frequenzbereich bis 2000 MHz erfüllen. Erfüllen sie die Normvorgaben lediglich bis 1250 MHz, dann bieten sie mit 25 Gbit/s nur noch etwas mehr als die halbe Datenrate. Zur Schreibweise von Kategorie 6 A und Category 6A: Ursprünglich wurde ein kleines „a“ verwendet, später einigten sich TIA und ISO auf die Verwendung eines großen „A“. Während ISO (und damit später auch Cenelec) das „A“ tiefstellen („ A “), verwendet die TIA es auf gleicher Höhe wie die „6“: Link und Channel nach ISO: Klasse E A
Link und Channel nach TIA: Category 6A link
Komponente nach ISO: Kategorie 6 A
Komponente nach TIA: Category 6A
Abgestimmte Systeme und Mix & Match
Obwohl die Verkabelungsnormen geschrieben wurden, um Komponenten verschiedener Hersteller innerhalb derselben Übertragungsstrecke verwenden zu können, kann ein Herstellermix zu Problemen führen. Die Normen gestatten einen relativ großen Toleranzbereich und es kommen in den Komponenten je nach Hersteller verschiedene Verfahren zur Kompensation elektromagnetischer Beeinflussungen zum Einsatz.
In der Praxis kommt es durchaus vor, dass Komponenten, die nicht aufeinander abgestimmt sind, zu Signalreflexionen und dadurch zu hohen Bitfehlerraten führen. Höhere Antwortzeiten sind die Folge, das Datennetz arbeitet weit unter seiner vorgesehenen Leistung.
Abgestimmte und nicht abgestimmte Systeme
Kupferdatenleitungen
Kupferdatenleitungen werden nach ihrer Leistungsfähigkeit (Komponentenkategorie) und ihrem Aufbau unterschieden. Bei den Bezeichnungen für den Kabelschirm steht links das Kürzel für den äußeren Gesamtschirm einer Leitung, danach – durch einen Schrägstrich getrennt – ein eventuell vorhandener Schirm der einzelnen Paare. Dabei steht „S“ für ein Geflecht feiner Drähte, „F“ für eine Folie. „TP“ steht für die Leitungsart Twisted Pair, auf deutsch „verdrilltes Aderpaar“.
Kupferdatenleitungen (Twisted Pair) werden nach dem Aufbau des Kabelschirmes unterschieden:
S/FTP
gemeinsamer Geflechtschirm (S), einzelne Paare jeweils von einem Folienschirm umgeben (FTP)
F/UTP
gemeinsamer Folienschirm (F), einzelne Paare ungeschirmt (UTP)
SF/UTP
gemeinsamer Schirm aus Geflecht und Folie (SF), einzelne Paare ungeschirmt (UTP)
U/UTP
kein gemeinsamer Schirm (U), einzelne Paare ungeschirmt (UTP)
Kupferdatenleitungen gibt es in massiver, eindrähtiger Ausführung (eng. solid) und als flexible, mehrdrähtige Leitungen (engl. stranded).
Verbindungstechnik
Schon vor Jahren hat sich der RJ45-Stecker als dominierender Stecker für Kupfernetze durchgesetzt. Formell ist der Begriff „RJ45“ (oder „RJ-45“) nicht genormt, wird in der Praxis jedoch weltweit verwendet. Eindeutiger ist die amerkanische Bezeichnung 8P8C, wobei das „P“ für „positions“ (Positionen für Kontakte) und „C“ für „contacts“ (tatsächlich vorhandene Kontakte) steht. Der 8P8C besitzt somit auch Positionen für Kontakte, von denen alle acht auch belegt sind.
Die Normenserie EN 60603-7 (international IEC 60603-7) definiert den RJ45 in geschirmter und ungeschirmter Ausführung in verschiedenen Leistungsstufen, von Kategorie 5 bis Kategorie 8.1.
Die amerikanische Norm ANSI/TIA-568 sieht prinzipiell zwei verschiedene Möglichkeiten vor, achtadrige Leitungen auf RJ45-Buchsen und Stecker aufzulegen: T568A und T568B. Die Farbzuordnung T568A kommt ursprünglich aus dem Militärbereich und ist für US-Behörden noch immer vorgeschrieben.
Die Farbzuordnung nach TIA steht nicht im Widerspruch zur DIN EN 50173. Die verweist auf die DIN EN 50174, die zwei Auflegeschemata als „Option A“ und „Option B“ enthält. Welche der beiden Möglichkeiten gewählt wird, ist aus technischer Sicht egal. Wichtig ist nur, dass eine Leitung an beiden Enden nach dem selben Schema aufgelegt wird.
RJ45-Buchsen sollten einen integrierten Kontaktüberbiegeschutz besitzen. Wird ein Telefon oder Faxgerät mit RJ11- oder RJ12-Stecker an eine RJ45-Buchse angeschlossen, dann können die äußeren Kontakte 1/2 und 7/8 der RJ45-Buchse beschädigt werden. RJ11- und RJ12-Stecker ähneln zwar dem RJ45, sie sind jedoch schmaler. Mit einem integrierten Kontaktüberbiegeschutz wird die Beschädigung der Kontakte wirksam verhindert. Damit ist auch nach häufigen Fehlsteckungen gewährleistet, dass höchste Datenraten zuverlässig übertragen werden können.
Eine andere Bezeichnung für den RJ12 ist 6P6C (Stecker mit sechs Kontaktpositionen, von denen sechs belegt sind).
RJ45 Pin- und Farbzuordnung
In Anwendungen der Industrie und des Transportwesens wird zunehmend der Rundsteckverbinder mit metrischem Gewinde des Typs M12 und M8 eingesetzt. Die Schraubverriegelung dieser Steckverbinder sorgt auch bei Vibrationen für eine zuverlässige Verbindung.
Der M12 D-kodiert nimmt vier Adern auf, erfüllt die Anforderungen der Kategorie 5 und bietet Datenraten bis einschließlich 100 Mbit/s.
Der M12 X-kodiert nimmt bei gleichen Abmessungen wie der M12-D vier Aderpaare auf, die durch ein Schirmkreuz auch im Kontaktbereich vollständig gegeneinander geschirmt sind. Der M12-X erfüllt die Anforderungen der Kategorie 6 A und bietet Datenraten bis einschließlich 10 Gbit/s.
Der M8 nimmt wie der M12-D vier Adern auf, erfüllt die Anforderungen der Kategorie 5 und bietet Datenraten bis einschließlich 100 Mbit/s. Er ist jedoch deutlich kleiner als der M12 und eignet sich somit für Anwendungen, in denen nur wenig Raum zur Verfügung steht.
Der Rundsteckverbinder M12x1 X-codiert bietet Datenraten bis einschließlich 10 Gbit/s.
Platinen- und Modultechnik
Immer höhere technische Anforderungen an die Verkabelungsstrecke und ein gleichzeitig immer höherer Zeitdruck bei der Montage und Verarbeitung konnten mit der Modultechnik erfolgreich gelöst werden. Wurden Anschlussdosen und Verteilfelder früher bevorzugt auf der Basis von Leiterplatten (Platinen) gefertigt, auf welche die Anschlussblöcke und RJ45-Buchsen gelötet wurden, so werden bei der Modultechnik einzelne, separate RJ45-Buchsen an den einzelnen Kabelenden montiert. Jedes Kabel wird also an beiden Enden auf separate Module aufgelegt. Die Buchsen werden dann nur noch in das Verteilfeld oder die Anschlussdose eingerastet. Die Modultechnik führt zu besseren übertragungstechnischen Werten sowie zu einem deutlichen Zeitgewinn beim Auflegen der Kabel und der Montage der Dosen und Verteilfelder. Darüber hinaus bietet sie den Vorteil, dass einzelne Kabelstrecken einfacher und damit kostengünstiger nachgerüstet werden können als bei herkömmlichen Verteilfeldern. Verlegekabel können mittlerweile aber nicht mehr nur an Dosen und Module angeschlossen werden. Werden Verlegekabel direkt mit einem Stecker abgeschlossen, können sie beispielsweise direkt in ein Wetterschutzgehäuse von Überwachungskameras eingeführt werden. Eine zusätzliche Anschlussdose in Kameranähe entfällt. Diesen Vorteil machen sich auch Anlagenverkabelungen in der industriellen Fertigung zunutze, und auch bei Home-Office-Verkabelungen kann auf Anschlussdosen, für die oftmals kein Platz vorhanden ist, verzichtet werden. Gute Stecker können mit geringem Aufwand vor Ort konfektioniert werden und eignen sich universell für Anwendungen von der Telefonie bis 40 Gigabit Ethernet.
Der MFP8 von Telegärtner: werkzeuglos feldkonfektionierbar in weniger als 60 Sekunden und geeignet für Netze bis 40 Gigabit Ethernet
Power over Ethernet (PoE)
Bei Power over Ethernet werden die Endgeräte über die Datenleitung mit Strom versorgt. Das Normungsgremium IEEE hat im Standard IEEE 802.3 und seinen Ergänzungen die dafür notwendige Technik definiert: Bei PoE und besonders bei PoE+ und 4PPoE sind qualitativ hochwertige Anschlusskomponenten (Anschlussdosen / Verteilfelder) außerordentlich wichtig, denn die filigranen Kontakte führen nun Daten und Strom gleichzeitig. Dem Design der Kontakte kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Wird eine RJ45-Steckverbindung getrennt, während das Endgerät noch über die Datenleitung mit Strom versorgt wird, entstehen Abreißfunken, die die feinen Kontakte von Stecker und Buchse beschädigen. Die Funken können technisch nicht vermieden werden, daher ist es wichtig, die Kontakte so zu gestalten, dass der Bereich, in dem die Daten übertragen werden, weit von dem Bereich entfernt ist, in dem die Beschädigungen durch Abreißfunken auftreten. So ist gewährleistet, dass auch nach wiederholtem Ausstecken unter Last dennoch die volle Datenrate übertragen werden kann.
De-embedded/Re-embedded
Verkabelungen für Hochleistungsnetze erfordern eine anspruchsvolle Messtechnik. Dies gilt ganz besonders für die Komponenten, die in ihrem Zusammenspiel höchste Datenraten übertragen sollen. Für Komponenten der Kategorie 6 wurde die De-embedded-Messmethode entwickelt. Dabei wird eine Buchse gegen 12 verschiedene Referenzstecker gemessen, um die ganze Bandbreite für das in Deutschland so beliebte Mix & Match, dem Mischen von Produkten verschiedener Hersteller innerhalb einer Verkabelungsstrecke, zu erfassen. Naturgemäß erhält man verschiedene Werte für die verschiedenen Stecker und mit allen müssen Ergebnisse innerhalb der Normvorgaben erzielt werden.
Die De-embedded-Messmethode ist hinreichend genau für Komponenten der Kategorie 6 bis 250 MHz und Datenraten bis 1 Gbit/s. Trotz des großen Aufwandes ist sie für die Messung von Komponenten der Kategorie 6 A bis 500 MHz und Datenraten bis 10 Gbit/s jedoch nicht zuverlässig genug. Hat man bei der De-embedded-Methode eine zu prüfende Buchse einzeln betrachtet (engl. to embed = „einbetten“, de-embed = „ausbetten“), so betrachtet man bei der Re-embedded-Methode (re-embed = „wieder ein-betten“) die Buchse wieder im Gesamtzusammenhang. Bei der Re-embedded-Messmethode wird ein Referenz-Stecker verwendet, dessen Werte sehr genau ermittelt wurden. Bei dieser Messmethode werden zwei Messaufnahmen an einen Netzwerkanalysator angeschlossen. Eine enthält eine fest eingelötete Aufnahme für den Referenzstecker, an die zweite wird die zu messende Buchse mit kurzen verdrillten Aderpaaren angeschlossen. Dann werden die beiden Auf-nahmen zusammengesteckt und gemessen.
Der Re-embedded-Messaufbau mit mehreren Platinen nach IEC 60512 ist Telegärtner jedoch noch immer nicht genau genug: Das Telegärtner-Messlabor verbindet die Platine der Messbuchse direkt mit dem Netzwerkanalysator über Koaxleitungen. Der Vorteil: Störende NEXT-Einflüsse werden minimiert, ebenso Beeinflussungen von Aderpaaren untereinander bei Messleitungen mit verdrillten Adern. Durch den speziellen Messaufbau mit Koaxleitungen sind noch genauere Messergebnisse als mit dem Aufbau nach IEC 60512 möglich.
Telegärtner Real-Time Re-Embedded Cat.6 A
Mit einem 8-Port-Netzwerkanalysator mit Re-Embedding- Berechnungsverfahren liefert der Real-Time/Re-Embedded-Messaufbau eine echtzeitfähige Auswertung der Komponenten. So können die Auswirkungen von Änderungen an Messobjekten in Echtzeit bewertet werden. Die äußerst zeitaufwendige Messung aller Paarkombinationen entfällt somit.
Patchkabel der Kategorie 6 A
Patchkabel werden in vielen Installationen vernachlässigt – mit schwerwiegenden Folgen, denn die leistungsfähigste Infrastruktur bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, wenn qualitativ minderwertige Patchkabel die Qualität der Gesamt-Übertragungsstrecke mindern. Doch woran erkennt man, ob man ein hochwertiges Patchkabel vor sich hat? Cat.6 A -Komponenten werden seit geraumer Zeit im Labor nach der Re-embedded-Messmethode gemessen, nur Patchkabel nicht – die physikalischen Gegebenheiten machten das Messen schwierig. Wieder einmal war Telegärtner führend: Als erstes Messlabor war das Telegärtner-Labor in der Lage,Cat.6 A -Patchkabel zu messen. Möglich wurde dies durch einen selbst entwickelten Messadapter. Der Messaufbau ist dabei anspruchsvoller und genauer als die internationalen Normen für Messtechnik vorschreiben. Dabei verwendet Telegärtner das Real-Time/Re-embedded-Messverfahren, bei dem alle vier Paare gleichzeitig mit einem 8-Port-Netzwerkanalysator gemessen werden. Der anspruchsvolle Aufbau ohne Messübertrager (Baluns) liefert genauere Messergebnisse und ist richtungsweisend für die Überprüfung qualitativ hochwertiger Patchkabel. Damit ist sichergestellt, dass die Übertragungsstrecke die volle Datenrate übertragen kann.
Die normkonforme Bezeichnung für Patchkabel lautet nach DIN EN 50173-1:2018-10 „Rangierschnur“ oder „Geräteverbindungsschnur“ - je nachdem, ob das Patchkabel zum Verbinden zweier Verteilfelder oder zum Anschluss von Geräten genutzt wird.












